Senioren WM: Adorf bringt Medaillensatz mit

Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Senioren läuft der Abschlusstag, als in den deutschen Staffeln die großen Personalrochaden einsetzen.
Friedhelm Adorf  brachte einen kompletten Medaillensatz aus Tampere mit (Foto: Flucke).

Friedhelm Adorf brachte einen kompletten Medaillensatz aus Tampere mit (Foto: Flucke).

Ein für die 4x400-Meter-Staffel der Altersklasse M65 vorgesehener Athlet fällt aus, und es beginnen die Überlegungen, in welcher Konstellation das Quartett genauso in die Medaillenvergabe eingreifen kann wie die M55-Staffel. Die Lösung führt über Friedhelm Adorf. Der 79-Jährige war im 55er-Team für Position drei und im 65er-Quartett als Ersatzläufer vorgesehen. Nun kam alles aber ganz anders: Der Routinier aus Heupelzen lief in der Altersklasse 65 auf Position drei, und bei den zehn Jahre Jüngeren kam der Ersatzmann zum Einsatz. Der Plan ging auf. Adorf gewann gemeinsam mit Rudolf König, Laszlo Müller und Gerhard Zorn in 4:33,92 Minuten Silber hinter den schnellen Iren und brachte einen kompletten Medaillensatz aus Tampere mit.

Insgesamt ging Adorf in fünf Entscheidungen auf die Laufbahn. Die 4x100-Meter-Sprintstaffel in seiner eigentlichen Altersklasse M75 brachte er als Schlussläufer ins Ziel und machte den WM-Titel perfekt. Nachdem Eberhard Linke, Sigurd van Riesen und Udo Lippoldes die Vorleistung gebracht hatten, machte der schnellste Deutsche in dieser Altersklasse den Erfolg perfekt. Die Siegerzeit betrug 1:01,48 Minute. Sein bestes Einzelergebnis erreichte der Westerwälder in Skandinavien über 400 Meter. „Ich bin überglücklich und zufrieden, mit 79 Jahren noch eine solche Zeit zu laufen und Platz drei belegt zu haben“, freute sich Adorf über Bronze in 1:11,87 Minute. Vor ihm lagen nur die beiden Italiener Roberto Paesani und Aldo del Rio. Auch über 200 Meter (Vierter in 30,29 Sekunden) und 100 Meter (Fünfter in 14,63 Sekunden) lieferte Adorf starke Ergebnisse ab.

Weil die Konkurrenz über 110 Meter Hürden der M45 bärenstark war, setzte sich Markus Paquée zunächst einmal das Minimalziel, den Endlauf zu erreichen. Das Semifinale gestaltete sich besser als gedacht: In einem packenden Zweikampf mit dem Spanier Carlos Martinez Rodrigo, der direkt neben dem Andernacher lief, hatte Paquée leicht die Nase vorne. Er qualifizierte sich als Zweiter seines Laufes hinter dem Briten Mensah Elliot in 16,46 Sekunden mit der sechstbesten Zeit direkt für das Finale, in dem sich das Kräfteverhältnis ungefähr wiederholte – nur mit schnelleren Zeiten. Paquée warf sich auf der Jagd nach der bestmöglichen Zeit fast senkrecht über die Ziellinie und wurde mit deutscher Jahresbestzeit in der Altersklasse M45 von 16,23 Sekunden erneut als Sechster gestoppt. Seinen „Hechtsprung“ ins Ziel konnte Paquée nicht mehr halten, er flog förmlich einige Meter über die Bahn und zog sich ein paar Schürfwunden sowie leichte Prellungen zu. „Um bei der WM Platz sechs zu belegen, war es das auf jeden Fall wert. In der jüngeren Altersklasse hätte ich mit meiner Zeit sogar Silber gewonnen. Das zeigt nur, wie stark meine Konkurrenz war“, resümierte er.

Eröffnet hatte Paquée seine WM mit der Speerwurf-Entscheidung. Mit 49,73 Metern fand er einen guten Einstieg. Zwei anschließende Würfe über 50 Meter (50,60 und 51,74 Meter) sicherten die Teilnahme am Finale ab, in dem Paquée seine konstante Serie fortsetzte, sich vom sechsten Platz allerdings nicht mehr weiter nach vorne schieben konnte. „Mir blieb am Ende das, was in der Senioren-Leichtathletik das Wichtigste sein sollte: Es hat riesigen Spaß gemacht", bilanzierte er. Die Medaillengewinner befanden sich auf einem anderen Level. Der Este Ahti Pöder gewann Gold mit 62,18 Metern vor dem Italiener Huber Göller (60,22). „Das ist absolutes Weltklasse-Niveau", kommentierte der Rhein-Wieder die Leistungen der Top-Platzierten.