Klub-Mitglied Nummer 66

Die Zeitschrift Leichtathletik berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe über den Weltklasse Zehnkämpf Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied): Selbst das Pfeiffersche Drüsenfieber konnte ihn nicht stoppen: Mit 8.130 Punkten übertraf Zehnkämpfer Kai Kazmirek 2012 erstmals die magische 8.000-Punkte-Marke. In dieser Saison peilt der 21-Jährige von der LG Rhein-Wied nun eine Medaille bei der U23-EM an. Verlassen kann er sich dabei vor allem auf seine Sprünge und 400 Meter der Extraklasse.
Gold für Linda Betzler in Saarbrücken (Foto: privat).

Gold für Linda Betzler in Saarbrücken (Foto: privat).

Mit 8.130 Punkten übertraf Zehnkämpfer Kai Kazmirek 2012 erstmals die magische 8.000-Punkte-Marke (Foto: <a href="http://www.leichtathletik-foto.de/" target="_blank">Wolfgang Birkenstock</a>).

Mit 8.130 Punkten übertraf Zehnkämpfer Kai Kazmirek 2012 erstmals die magische 8.000-Punkte-Marke (Foto: Wolfgang Birkenstock).

Als 66. deutscher Zehnkämpfer hat Kai Kazmirek im vergangenen Jahr die 8.000-Punkte-Marke übertroffen. Beim Thorpe Cup in Marburg, dem traditionellen Ländervergleichskampf zwischen Deutschland und den USA, erzielte der Mann von der LG Rhein-Wied 8.130 Punkte und steigerte damit seine Bestleistung um 328 Punkte. „8.000 Punkte sind das Lebensziel eines jeden Zehnkämpfers“, sagt der 21-Jährige. „Ich bin froh, dass ich sie in so jungen Jahren erreicht habe. Und dann auch noch in einer so unglücklich verlaufenen Saison.“

Denn eigentlich hatte sich Kai Kazmirek die neue Bestleistung schon für das Meeting in Ratingen vorgenommen, bei dem einige Wochen zuvor die Olympiatickets vergeben wurden. Doch daraus wurde nichts: Eine Krankheit, das Pfeiffersche Drüsenfieber, setzte den Mehrkämpfer außer Gefecht. „Ich war ziemlich platt, hatte ständig Halsschmerzen und Entzündungen“, erzählt er. Ein Spezialist in Kaiserslautern verschrieb ihm strenge Bettruhe und Nahrungsergänzungsmittel, um seinen Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. „Ich habe mir die Pause gegönnt und in dieser Zeit wirklich absolut gar nichts gemacht“, sagt Kazmirek. Er erholte sich rasch und konnte später noch drei Zehnkämpfe erfolgreich absolvieren und wurde im August zum ersten Mal Deutscher Zehnkampfmeister.

Mehr Zeit fürs Training - Als Grund, weshalb er trotz der Krankheit so schnell wieder in Form kam, nennt Kai Kazmirek die gute Saisonvorbereitung im Frühjahr. Sieben Wochen lang war er im Trainingslager gewesen Es war das erste Mal, dass er mit seinem Trainer Jörg Roos ein solch umfangreiches Programm abspulen konnte. Wegen der Schule war dies zuvor nicht möglich gewesen, doch seit Kazmirek der Sportfördergruppe der rheinland-pfälzischen Polizei angehört, kann er seine Zeit flexibler einteilen. So kommt er auf acht oder neun statt nur auf sechs Trainingseinheiten pro Woche.

Höher als alle Olympia-Starter - Kai Kazmireks Stärken liegen in den Sprungdisziplinen. Im Hochsprung hatte er 2008 bei der U18-DM in Berlin sogar die Goldmedaille bei den Spezia-listen gewonnen. 2012 überquerte er 2,13 Meter und sprang damit höher als alle Zehnkämpfer bei den Olympischen Spielen in London. Dort war der Kubaner Leonel Suárez mit 2,11 Metern der Beste gewesen. Auch im Stabhochsprung trumpfte Kazmirek 2012 auf. In Marburg steigerte er seine Bestleistung um gleich 33 Zentimeter auf 5,05 Meter. Die Zusammenarbeit mit Balian Buschbaum macht sich bezahlt, wenngleich Kazmirek glaubt, „dass noch eine Menge mehr drin ist. Im Training bin ich schon 5,40 Meter gesprungen“, so der Sankt Sebastianer. „Mein Vorteil ist, dass ich harte Stäbe springen kann.“

Der Weitsprung gehört ebenfalls zu Kazmireks Lieblingsdisziplinen. „Ich habe aber irgendwie eine Brettphobie und springe oft zu früh ab“, lacht er. Extraklasse sind auch seine 400 Meter. Bei der U23-EM 2011 in Ostrava lief er die Stadionrunde in 46,75 Sekunden. Das hätte auch zum Einzug ins Einzelfinale gereicht! Luft nach oben gibt es noch bei den Würfen. Im Kugelstoßen etwa wird der 21-Jährige „zu schnell hektisch, und das ist dann gar nicht gut“. Auch mit dem Speer sind noch einige Meter drin. Seit Kai Kazmirek allerdings mit Hermann Salomon zusammenarbeitet, von 1960 bis 1968 dreimal Olympiateilnehmer im Speerwurf, haben sich seine Leistungen in dieser Disziplin schon deutlich verbessert: von teilweise unter 50 Metern 2011 auf fast 60 Meter im Jahr 2012.

Kazmireks Hauptziel für den Sommer wird die U23-EM in Tampere (Finnland) sein. „Dort will ich auf jeden Fall unter die besten Fünf“, sagt er – wohl wissend, dass 8.100 Punkte bei diesen Titelkämpfen bislang immer für das Podium reichten. Sollte Kazmirek tatsächlich auf dem Treppchen landen, wäre es sein zweites Edelmetall nach Bronze bei der U20-EM 2009. Sein Verein LG Rhein-Wied würde sich freuen: Nur ein Jahr nach Lilli Schwarzkopfs Olympia-Silber im Londoner Siebenkampf gäbe es dann schon wieder eine Mehrkampfmedaille zu feiern.

Dieser Text stammt aus der Zeitschrift Leichtathletik (erscheint im Marken Verlag)  - jeden Mittwoch neu