Deichmeeting: Gräber bezwingt zwei Weltmeister, Punktekrimi bei den Frauen

Der deutschen Mehrkampf-Szene muss auch vor der Zukunft nicht bange sein. Beim Lotto Deichmeeting im Neuwieder Rhein-Wied-Stadion wurde am Samstag deutlich, dass der DLV auch perspektivisch mehr bietet als Leo Neugebauer und Niklas Kaul. Die beiden Weltmeister waren beim Vierkampf die „Headliner“ der großen Veranstaltung der LG Rhein-Wied, aber in Amadeus Gräber schnappte ihnen der U20-Europameister von 2023 den Sieg weg.
Siegerehrung der Frauen beim Lotto Deichmeeting 2026 in Neuwied (Foto: Papenfuss).

Siegerehrung der Frauen beim Lotto Deichmeeting 2026 in Neuwied (Foto: Papenfuss).

Der 21-Jährige von Eintracht Frankfurt gehört dem Perspektivkader an und zeigte beim ersten richtigen Kräftemessen der Saison eine starke Frühform. „Die ersten beiden Disziplinen waren beide persönliche Bestleistungen – besser kann man nicht starten“, sagte Gräber zu 14,53 Sekunden über 110 Meter Hürden (trotz Gegenwind) und 46,89 Metern mit dem Diskus. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Favoriten aber noch in Führung: Neugebauer mit 1818 Punkten vor Kaul mit 1765 Punkten. Im Stabhochsprung änderte sich die Reihenfolge. Gräber sprang mit 5,20 Metern gleich 30 Zentimeter höher als Kaul und sogar 60 mehr als Neugebauer. Auch über die abschließende 300-Meter-Distanz erreichte der Youngster mit 34,01 Sekunden den Bestwert. Das machte in der Summe 3631 Zähler und Platz eins vor Neugebauer (3535) und Kaul (3521).

Mit seinem Ergebnis überflügelte Gräber die Werte der bisherigen Sieger deutlich. Kaul hatte 2025 mit 3452 und 2023 mit 3484 Punkten gewonnen, Sven Roosen im Olympia-Jahr 2024 mit 3418. „Heute war ein Wettkampf zum Ausprobieren. Ich hatte keine hohen Erwartungen, weil ich vorgestern erst gelandet bin. Das Wichtigste ist immer, verletzungsfrei zu bleiben“, bilanzierte Neugebauer seinen Auftritt am Rhein vor toller Kulisse. Das stärkste Teilnehmerfeld in der Geschichte des Deichmeetings kam gut an. Die Zuschauer genossen Weltklasse-Sport, die Aktiven die prima Unterstützung und Top-Bedingungen – nur die Temperaturen hätten etwas höher sein können.

Grimm und Weißenberg liefern sich Punktekrimi

Bei den Frauen, die den Hürdensprint, Hochsprung, Kugelstoß und 150 Meter absolvierten, schaute man gespannt auf das Comeback von Sophie Weißenberg nach langer Verletzungspause. „Ich habe mich besser gefühlt als ich erwartet hätte. Mein Körper macht gut mit“, resümierte Weißenberg nach einem aus ihrer Sicht durchwachsenen Wettkampf. An der Spitze mischte sie in einem spannenden Dreikampf gemeinsam mit Vanessa Grimm und Sofie Dokter mit. Die Königsteinerin Grimm hatte zwar von der ersten bis zur letzten Disziplin die Führung inne, aber nur mit minimalem Vorsprung. Mit vier Pünktchen Abstand gewann Grimm (3807) vor Weißenberg (3803), auch die Hallen-Weltmeisterin Sofie Dokter aus den Niederlanden (3785) befand sich fast auf Augenhöhe. „Über die Hürdenzeit freue ich mich am meisten. Ich bin ja letzte Woche persönliche Bestleistung gelaufen und habe diese Zeit jetzt direkt bestätigt. Auch Hochsprung war wichtig. Nach der Erfahrung in Tokio, wo ich verletzt war, war es wichtig, jetzt wieder Vertrauen zu gewinnen. Insgesamt bin ich echt zufrieden für einen Vorbereitungswettkampf bei den doch kalten Temperaturen“, bilanzierte Vanessa Grimm.

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